Meine Großmutter und ich waren mehr als nur Familie – wir waren ein Team. Für mich war sie Zuflucht, Mutmacherin und die einzige Person, der ich alles anvertrauen konnte, ohne mich erklären zu müssen. Als Kind war ihr Zuhause mein zweites Zuhause: Fast jedes Wochenende saß ich bei ihr am Küchentisch, hörte ihren Geschichten zu, knetete Teig neben ihr und bewahrte mit ihr Geheimnisse, die ich meinen Eltern nie gesagt hätte.
Als sie starb, fühlte es sich an, als würde ein Teil von mir verschwinden. Bei der Trauerfeier stand ich am Sarg und merkte, wie schwer dieser Abschied wirklich war. Der Raum war voller Menschen, aber innerlich war ich allein mit meiner Trauer – und mit dem Gefühl, dass ich sie am liebsten noch einmal um Rat gefragt hätte.
Ein kleiner Moment, der mir keine Ruhe ließ
Irgendwann trat ich kurz zur Seite, weil mich jemand ansprach. Als ich zurückblickte, sah ich meine Mutter am Sarg. Sie beugte sich leicht nach vorn – nicht auffällig, eher so, als wolle sie etwas ordnen oder sich verabschieden. Doch dann bemerkte ich eine kleine Bewegung: Sie schob unauffällig ein winziges Päckchen hinein.
Ich hätte es fast übersehen, so schnell und leise passierte es. Aber genau diese Heimlichkeit ließ mich erstarren. Zwischen meiner Mutter und meiner Großmutter hatte es nie echte Nähe gegeben. Sie waren höflich, ja – aber warm oder vertraut? Nein.
In meinem Kopf meldete sich sofort ein Alarm. Meine Großmutter war ein Mensch, der Klarheit liebte. Sie hätte nicht gewollt, dass jemand ohne Absprache etwas in den Sarg legt – schon gar nicht, ohne mir etwas davon zu sagen. Und je länger ich darüber nachdachte, desto mehr wuchs der Eindruck, dass hier etwas verborgen werden sollte.
Ich tat etwas, das sich gleichzeitig falsch und notwendig anfühlte
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